Interview mit Ulrike Landfester, Präsidentin Clubjahr 2023 / 2024

Dienstag, 8. August 2023

Philipp Landmark

«Unsere Bereitschaft zum Service wird mehr gebraucht denn je»


Ulrike, was hat Dich bewogen, das Präsidium des Rotary Clubs St. Gallen zu übernehmen?

In einem Wort: Dankbarkeit. In den jetzt bald zwanzig Jahren, in denen ich Mitglied von Rotary bin, hat mir der Club sehr viel gegeben, und ich möchte ihm gerne etwas zurückgeben. 

Möchtest Du in Deinem Präsidialjahr einen besonderen Schwerpunkt setzen?

Nachdem wir uns im vergangenen Präsidialjahr mit unseren Hoffnungen und Wünschen für unseren Club beschäftigt und dabei immer wieder über Freundschaft gesprochen haben, haben wir – unser Programmchef Beat Mäusli und ich – für dieses Jahr das Motto «In aller Freundschaft» gewählt und wollen damit Gelegenheit geben, das Thema von den verschiedensten Blickwinkeln aus anzuschauen und vielleicht von ihnen das eine oder andere zu lernen.

Was bedeutet denn Freundschaft für Dich persönlich?

Das Salz des Lebens, ganz einfach gesagt. Ich nehme Freundschaft in einem weiten Sinn, weil ich sie überall da zu finden versuche, wo ich Menschen begegne, egal, ob beruflich, privat oder eben im Club – ob das die zarte Variante der grundsätzlichen Bereitschaft zu Freundlichkeit und Akzeptanz gegenüber anderen ist, die kraftvolle Mischung aus Affinität, Neugier und Vertrauen, die mich mit einzelnen Menschen verbindet, die tiefe Herzensfreundschaft als Fundament einer Lebenspartnerschaft oder die aktive Solidarität mit Menschen überhaupt. Freundschaft ist für mich im Individuellen ein Geschenk und im Allgemeinen eine Grundeinstellung gegenüber dem Leben.

Dein Vorgänger Stefan Loacker hat mit der Club-Reflexion angestossen, dass wir über Sinn und Zweck von Rotary auseinandersetzen. Findest Du selbst Rotary noch zeitgemäss? 

Ja, durchaus. Es ist natürlich schwierig, in Zeiten der zunehmenden Mobilität den inneren Zusammenhalt eines Clubs zu stabilisieren und weiterzuentwickeln, aber gerade deswegen lohnt es sich, daran zu arbeiten – nicht zuletzt, weil unsere Bereitschaft zum Service heute mehr gebraucht wird denn je; hier haben wir eine Verpflichtung, und dafür, ihr nachzukommen, ist Rotary – wie andere Serviceclubs auch – praktisch wie ideell das richtige Gefäss.

Welche konkrete Massnahmen lassen sich aus der Club-Reflexion ableiten?

Für mich ist das konkreteste Ergebnis die Erkenntnis, wie wichtig es ist, immer mal wieder darüber nachzudenken, was uns als Gemeinschaft zusammenhält – nicht im Sinn der Setzung von Normen, sondern in demjenigen der Notwendigkeit, diese Gemeinschaft bewusst zu leben. Ein Club ist nicht eine Maschine, die man sich anschafft und die dann einfach läuft, sondern ein lebender Organismus, der gepflegt sein will, im Gespräch nach innen wie nach aussen. 

In zwei Jahren feiert der Club sein 100-jähriges Bestehen. Wie muss sich der Club entwickeln, dass er auch weitere Jubiläen feiern kann?

Es hilft, meine ich, vor allem auch an der Freude des Zusammenseins zu arbeiten. Einem Club beizutreten ist eine freiwillige Entscheidung, mit der natürlich auch Verantwortung einhergeht, aber diese Verantwortung wird nur dann fruchtbar für alle, wenn sie mit Lust und Fröhlichkeit getragen wird. Wenn es Rotary gelingt, diese Freude am Leben zu halten und damit die Basis unserer Gemeinschaft weiter zu stärken, dann sehe ich viele weitere Jubiläen in unserer Zukunft.

 

Interview: Philipp Landmark

 

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Prof. Dr. Ulrike Landfester (* 1962) ist Literatur- und Kulturwissenschaftlerin. Sie Professorin für Deutsche Sprache und Literatur und an der Universität St.Gallen, an der sie von 2011 bis 2019 auch Prorektorin war.    

Ulrike Landfester ist Präsidentin des Rotary Clubs St.Gallen